Totenlichter
Hilflosigkeit und Zorn haben mich dazu gebracht, einen Holzschnitt nach dem anderen zu machen. Und dieses flaue Gefühl. Vor allem dieses flaue Gefühl, mit dem ich die Zeitung weglegte, den Fernseher ausschaltete. Weil ich die Bilder in meinem Kopf nicht loswurde. Von den leeren Schwimmwesten, den gekenterten Booten, den an den Strand gespülten Kleidungsstücken. Und den Toten. Trotzdem musste ich hinsehen. Konnte keine Nachrichtensendung auslassen. Vorher bin ich bei der Tagesschau meist abgeschweift, manchmal sogar eingeschlafen. Jetzt saß ich hellwach vor dem Apparat. Sah mit diesem Gefühl im Magen die Toten. Hörte Berichte über endlose Wege durch die Wüste, die auf dem Wasser in der Katastrophe endeten.
Manchmal meinte ich Orte zu erkennen, die kurz über den Bildschirm flimmerten. Wir haben da schon oft Ferien gemacht. In Italien, Sizilien, Griechenland.
Nie vorher habe ich so aufmerksam Zeitung gelesen. Tut mir heute leid, dass mich Politik nicht interessiert hat. Konnte kaum glauben, wie Europa sich die Menschen aus Afrika vom Hals zu halten versucht. Die machen doch wirklich mit den größten Schurken Geschäfte, damit die Fluchtwilligen zurückgehalten werden, eingesperrt. Was passiert da?
Ich stellte fest, dass ich sehr wenig wusste. Die Zeitung, die wir schon immer beziehen, reichte mir nicht mehr. Ich abonnierte eine überregionale, bei der ein Freund Journalist ist.
Natürlich findet mein Mann das alles auch skandalös, was mit den Geflüchteten passiert. Wir sprechen oft darüber. Ich rede mich regelmäßig in Rage. Aber Viktor ist innerlich und äußerlich weit weg vom Mittelmeer, weil er bis über die Ohren in seinem Job steckt und viel in den USA zu tun hat.
Peter, der sich als Journalist mit Politik auskennt, erklärt mir Zusammenhänge. Was er sagt, fühlt sich wie Prügel an. Europäerin zu sein, kommt mir plötzlich wie ein Makel vor. Ich habe nicht gewusst, dass die EU die afrikanische Küste leer fischt, dass sie mit subventionierten Waren die afrikanischen Märkte kaputt macht. Auch deshalb fliehen so viele aus Afrika. Ist Europa vor allem auf Profit aus? Kann man mit gemeinsamer Währung andere besser übers Ohr hauen?
Immer mehr Geflüchtete kamen in Italien an. Das Fernsehen zeigte Gestalten in Silberfolie, erschöpft und dankbar, dem Tod entronnen zu sein. Aber immer mehr ertranken auch. Italien rief Europa um Hilfe. Das Rettungsschiff mit dem schönen Namen „mare nostrum“ überstieg die finanziellen Möglichkeiten des Landes. Natürlich würde Europa helfen, dachte ich. Und wartete auf die entsprechenden Nachrichten. Aber sie kamen nicht. Stille in den Medien. Europa half nicht. „Unser Meer“, das Schiff, das viele Leben rettete, musste aufgegeben werden, weil die anderen europäischen Länder nicht bereit waren, sich finanziell zu beteiligen. Ich konnte es nicht glauben. Die Werte-gemeinschaft Europa hatte entschieden. Für das Geld und gegen die Menschen.
Als ich es endlich begriffen hatte, saß ich den ganzen Tag im Keller und holte die „mare nostrum“ aus dem Holz, von zwei dicken Buchstabenbalken durchkreuzt: „Europa entscheidet sich für den Tod.“ Peter fand den Holzschnitt ausgezeichnet, bot ihn mehreren Zeitungen an, wurde ihn aber nicht los.
Ich versuchte, mir die Zahlen vorzustellen. Bis jetzt sind geschätzt bis zu 40.000 Menschen ertrunken. 40.000, das ist die Einwohnerzahl unseres Ortes.
Das Mittelmeer ist zum Massengrab geworden. Man sieht es nicht. Es ist so schön wie immer. Wasser deckt alles zu. Wie Schnee oder wie die Liebe oder wie Gleichgültigkeit.
Auf meinem ersten Holzschnitt war ein menschliches Skelett neben Wasserpflanzen und Fischen zu sehen. Und über dem Wasser ein Kreuzfahrtschiff.
Ich habe dann angefangen, mit meinen Bildern die Kellerwände zu tapezieren. Jetzt haben wir eine Kellergalerie. Ein bisschen ausgeblühten Kalk abwischen, dann Kleister und das Bild. Viele habe ich gemacht. Immer das Meer. Mal mit halb gesunkenem Boot, mal mit Schuh im Wasser, mal mit Kleidungsstück am Strand. Hose, Jacke, Schwimmweste. Oder weit weg ein winziges Schiff. Das letzte Bild der Serie ist fast ganz leer. Flache Wellen, zum Horizont immer flacher werdend. Darüber eine Sonne aus drei zerbrochenen Kreisen. Sonst nichts. Als Viktor von einer seiner USA-Reisen zurückkam und das erste Mal in den Keller ging, hat er nichts gesagt, mich nur in den Arm genommen. Wir haben lange so gestanden.
Ich weiß, man kann die Toten nicht mehr lebendig machen. Und man sollte mit aller Kraft verhindern, dass noch mehr Flüchtende ertrinken. Und natürlich denen helfen, die überlebt haben und inzwischen auch bei uns angekommen sind. Aber das reicht mir nicht. Die Toten vor Europas Haustüre waren Menschen. Und zum Menschsein gehören Beerdigungsrituale. Schon die Neandertaler hatten sie. Immer lebten die Menschen mit ihren Toten. Stellten Steine auf. Vor tausenden von Jahren genauso wie heute. Wie die Bewohner des Dorfes in den französischen Alpen, an dessen Bergwand das Flugzeug zerschellte.
Eine Kellergalerie führt zu nichts, habe ich mir dann gedacht. Und angefangen, meine Holzschnitte zu verschicken. Mit der höflichen Bitte um öffentliches Gedenken für die ertrunkenen Geflüchteten. Eine Trauerfeier, eine Steintafel, Schweigeminuten. Ich war nicht sicher, ob etwas dabei herumkommen würde. Aber naiv genug, es trotzdem zu versuchen. Peters Grinsen sprach Bände. Aber er half mir, Adressen herauszufinden. Von öffentlichen Institutionen kamen keine oder nichtssagende Antworten, von kirchlicher Seite keine oder salbungsvolle.
Ob Schuldgefühle Europas Gedenken verhindern? Erst umbringen, dann Blumen niederlegen geht vielleicht nicht. Ist ja auch ehrlicher. Aber wo bleibt dann die Menschenwürde der Ertrunkenen? Und die Menschenwürde der Europäischen Menschen?
Letztens habe ich in einem Anfall von hilflosem Zorn „Antigone“ noch mal gelesen. Und gefunden, was ich suchte. Antigone weigert sich nämlich, dem König zu gehorchen. Der hat bei Todesstrafe verboten, ihren Bruder zu beerdigen. Für sie gibt es ein inneres Gesetz, das über dem Gebot des Königs steht.
Ist die Würdigung der Toten die Würde der Lebenden?
Ich saß zu Hause zwischen den Bildern an den Kellerwänden und dachte nach. Bisher hatten also weder in Brüssel noch in Berlin oder Rom öffentliche Trauerfeiern für die ertrunkenen Flüchtlinge stattgefunden, waren keine Gedenksteine für sie enthüllt worden. Aber konnten nicht woanders Aktivitäten stattfinden, die nicht bekannt wurden? Vielleicht um das Mittelmeer herum? Die zeigten, dass lebende Menschen an tote Menschen dachten, die verraten und verkauft worden waren? Privatleute vielleicht oder Gruppen?
Und so kam es, dass ich meine Holzschnitte wieder verschickte.
Denn was ich im Internet fand, war umwerfend. Ich erfuhr von einem internationalen „Netzwerk für Erinnerungskultur und Trauerarbeit von unten“. Die haben zusammen mit Fischer*innen, internationalen Helfenden und Überlebenden ein Kinder-Memorial auf Lesbos errichtet. Sie kümmern sich um die Gräber geborgener Ertrunkener. Ich erfuhr, dass der Bürgermeister von Palermo eine Gedenktafel für die toten Geflüchteten am Rathaus angebracht hat. Da stand, dass eine Migrationsforscherin daran arbeitet, dass der Visumszwang für Bürgerkriegsflüchtlinge aufgehoben wird. Was mich besonders berührte, war die „Tafel der Schande“, die die Bürgermeisterin von Barcelona an einem beliebten Strand aufstellen ließ. Für das erste Halbjahr 2016 wurde dort die Zahl der Toten digital mit 3034 angegeben. Ihnen allen und anderen, die ich nach und nach im Internet fand, schickte ich meine Bilder und schrieb dazu, wie viel mir ihr Engagement bedeutet, drückte meine Dankbarkeit und Anerkennung aus.
Diesmal erhielt ich Antworten. Erfreute Mails, die alle in Englisch verfasst waren. Und dann war da plötzlich die Einladung. „I would be very glad to welcome you on our wonderful island.” Sie kam vom Pfarrer einer Insel nordwestlich von Sizilien. Er hatte an der Friedhofsmauer eine Gedenktafel für die Ertrunkenen anbringen lassen.
Ich wusste sofort, dass ich hinfahren würde. Holte mir mit dem Internet die Liparischen Inseln ins Haus. Vulkaninseln sind das, dem Windgott Äolus geweiht. Man fliegt bis Neapel und fährt mit dem Tragflächenboot oder der Fähre weiter.
Viktor war nicht begeistert, ließ mich aber. Allerdings musste ich ihm versprechen, jeden Tag anzurufen. Peter fand, ich hätte mir mit meiner Recherche das Abenteuer verdient und drängte mir eine seiner Kameras auf. Damit du viele, gute Bilder machst, sagte er.
Schon bei der Ankunft im Inselhafen war mir eine Pyramide aus rohen Holzbrettchen mit Kerzen aufgefallen. Ein Mann saß daneben auf einem Stuhl. Ich war wie elektrisiert. War es, was ich erhoffte? Konnte es sein, dass hier am Abend Lichter für die Ertrunkenen auf dem Wasser schwammen? Wie Lichter auf Friedhöfen? Ich versuchte zu übersetzen, was auf dem Pappschild stand. Meinte „Totenlichter“ zu lesen, 5 €. Ich musste mich umdrehen, die Nase putzen, tief Luft holen, bevor ich eins kaufen konnte. Wie einen Schatz trug ich es ins Hotel. Legte es im Zimmer auf die Fensterbank. Es war ein ungehobeltes Brett, zwei Hände groß. Ein Windschutz aus Pergamentpapier war um eine Kerze getackert. Sehr einfach, aber es kam ja auf die Botschaft an. Doch wie kam es vom Hafen aufs Meer hinaus?
Um die Gedenktafel am Friedhof zu finden, musste ich der Straße folgen, die hinter dem Hafen in die Höhe führte. Nach einer Weile öffnete sich zur linken Seite hin ein gepflasterter Platz, an dessen Ende ein weißes Gebäude mit Kuppel zu sehen war. Das Haus daneben sah wie ein Pfarrhaus aus. Dort wurde ich am nächsten Nachmittag erwartet. Mir war eigenartig zumute, ein bisschen verwunschen fühlte ich mich. Als ich rechts von der Kirche einen Feldweg entdeckte, ging ich darauf zu. Auf beiden Seiten nahmen hohe Ginsterbüsche die Sicht. Doch dann stand ich plötzlich vor einem halb geöffneten Holztor in einer Steinmauer. Das musste der Friedhof sein. Links vom Tor reichten Büsche bis an die Mauer, nach rechts gab es einen Kiesweg. Eine Bank stand zwischen zwei Pinien. Und gegenüber an der Mauer war eine große Steintafel angebracht. Ich setzte mich. Versuchte, die in den Stein geritzten Buchstaben zu entziffern. Brauchte lange, bis ich mir den ersten Satz übersetzt hatte. IN ERINNERUNG AN ALLE, DIE ZUFLUCHT SUCHTEN UND DEN TOD IM MEER FANDEN. Dann folgten Daten und Zahlen. Es mussten die Tage der größeren Unglücke und die Zahl der jeweiligen Toten sein. Man konnte sehen, dass die Zahlen zu unterschiedlichen Zeiten in die Tafel geritzt worden waren. Nach unten war noch Platz.
Die unsichtbaren Toten hatten Spuren hinterlassen. Es gab Zeichen ihrer Existenz. Was geschehen war, war schrecklich. Aber das Schreckliche blieb für immer lesbar, hörbar, wirksam.
Ich saß lange in der schattigen Stille. Wusste nicht, ob ich aus Trauer oder Freude weinte.
Am Abend waren mehr Menschen unterwegs als am Tag. Ich ließ den Mann mit den Totenlichtern nicht aus den Augen. Sah, wie er aufstand, als ein zweiter zu ihm trat und ihn wie einen Freund begrüßte. Es schien, als sei dies eine Art Signal. Jedenfalls kamen daraufhin einige Leute zu ihnen und kauften Lichter, die auf dem Stuhl gesammelt wurden. Ich machte es ihnen nach. Einer der Männer verschwand und legte kurz darauf mit einem Ruderboot an. Alle Totenschiffchen wurden ins Boot gereicht. Ich blieb mit den anderen am Ufer stehen, als es sich mit einer Laterne am Bug langsam entfernte. Wir standen und schwiegen. Am Ende der Hafenbucht wurden die Kerzen angezündet und aufs Wasser gesetzt. Es war inzwischen fast dunkel. Sie blieben zuerst nahe beieinander, so dass der Lichtschein deutlich zu sehen war. Dann verteilten sie sich langsam.
Das Boot kam zurück. Die Männer machten es fest und gingen fort. Ich stand noch lange am Ufer, suchte und fand helle Punkte, die auf den Wellen trieben.
Am nächsten Tag kam mir der Weg zum Pfarrhaus kürzer vor. Ich merkte, dass ich aufgeregt war. Ob mein Schulenglisch reichen würde? Die schwere Haustür hatte einen Klopfer aus Messing. Ich schlug ihn an und einen Moment später stand ein drahtiger Mann im schwarzen T-Shirt vor mir. Welcome, sagte er und wir gaben uns die Hand. Gingen durch einen langen, kühlen Flur. Er führte geradeaus auf eine bunt geflieste Terrasse mit Steinmäuerchen. Zuallererst fiel mir auf, dass man das Meer sehen konnte. Das Haus musste an einem Abhang liegen, denn das Wasser war ganz nah. Es sah umwerfend schön aus.
Bald darauf saßen wir uns an einem Tisch gegenüber. Teller, Gläser, in der Mitte ein Kuchen, eine Kanne Wasser. Lemoncake, sagte er und legte ein Stück auf meinen Teller. Goss Wasser in unsere Gläser. Wir sahen uns an. Sein Kopf war rund, aber das Gesicht mager. Eine Hakennase, ernste Augen, ein voller Mund, dunkles Haar. „Luigi“, sagte er und reichte mir über den Tisch schnell die Hand. Sie war groß und kühl, gebräunt wie Arme und Gesicht. „Elsa“. Wir lächelten beide. Die Fremdheit verflog. Ich fühlte mich wohl, lehnte mich zurück. It’s really wonderful, sagte ich mit einer Armbewegung, die alles umfasste. Er nickte eifrig. Oui, sagte er, oui.
Ich erfuhr, dass schon seit Jahren abends die Totenlichter auf dem Meer schwammen. Dass Geflüchtete sie anfertigten. Holz und Kerzenreste sammelten die Einheimischen für sie. Es gab im Dorf eine Werkstatt in einer ehemaligen Schreinerei. Einige Geflüchtete hatten sich dort Zimmer eingerichtet. Andere wohnten bei Leuten aus dem Dorf. Auch im Pfarrhaus war eine Familie untergebracht. Im Obergeschoss. If they are at home, they make noise and noise. Er sprach nicht besser Englisch als ich, lächelte. Man konnte sehen, dass er einverstanden war mit dem Lärm seiner Gäste. Ich fragte, ob er sich in der Flüchtlingsarbeit engagiere. Arbeit wollte er nicht nennen, was er tat. Er brachte den Kindern das Schwimmen bei, auch Erwachsenen, wenn sie wollten. Er gab Italienischkurse, regelte Formalitäten. Es gab auch einen Chor, den er leitete. Einheimische und Geflüchtete machten mit.
Das alles erzählten wir in unserem Schulenglisch, gestikulierten, schnitten Grimassen. Und immer sagte er oui statt yes. Als ich ihn darauf ansprach, lachte er. Es war ihm nicht aufgefallen. Aber das bedeute nicht, dass er Französich sprechen wolle. Da sei er noch schlechter. Wir lachten.
Er fragte nach den Holzschnitten. Wir sprachen von uns. Wir schwiegen. Aßen Zitronenkuchen.
Voraussetzung für den Frieden nannte er die Würdigung der Toten. The ground, on which peace can grow. Er drückte sich anders aus als ich, aber wir meinten dasselbe. Zu Hause nickten alle, wenn ich mich wieder mal ereiferte. Aber ich konnte nicht wirklich erklären, was mich umtrieb. Er war selber so.
Wir sprachen über Politik. Konnten Politiker ihrem Gewissen folgen? Er kam auf Jesus zu sprechen.
But the church? fragte ich.
Viele Christliche helfen.
Auch viele Nicht-Christliche.
Oui.
Warum hat der Vatikan Italien nicht geholfen, die „mare nostrum“ zu finanzieren? Es hätte eine Initialzündung werden können.
Ich habe an Bischöfe geschrieben, an den Papst. Das Wort Initialzündung ist vorgekommen.
Wir schwiegen, überrumpelt von so viel Einmütigkeit.
Auf dem Mäuerchen brannten inzwischen zwei riesige Kerzenstumpen, alte Altarkerzen wahrscheinlich.
Gleich können wir sie sehen. Er ging an die Brüstung. Es dämmerte stark. Ich blieb sitzen, bis er „now“ sagte.
Das Boot kam gerade hinter einem Felsen hervor, war mit seiner Laterne deutlich zu sehen. Auch die Helligkeit der Totenlichter schien herüber, bis sie sich auf dem Wasser verteilten. Manchmal singen sie, sagte er, und summte eine Melodie. Es war ein jüdisches Lied vom Frieden. Ich summte mit.
Er holte Brot und gab mir ein Messer, mit dem ich Scheiben davon abschnitt. Stellte eine Schale mit Muscheln dazu. Goss Wein in unsere Gläser. Während wir aßen, hörten wir die Wellen ans Ufer schlagen.
Später kam die Familie über uns nach Hause. Ein Kind kreischte, eine Frauenstimme rief etwas.
Wir erzählten von unseren Müttern und Vätern, Geschwistern und Kindern. Wir sprachen von unseren Hoffnungen und Ängsten. In den Pausen hörten wir den Wellen zu.
Es war ein Märchen aus tausendundeiner Nacht.
Am nächsten Morgen saßen wir wieder auf der Terrasse. Tranken Kaffee, blinzelten in die Sonne.
That was a special night, sagte ich, sah zu ihm hin. Er nickte. There was something from behind the world.
Oui, antwortete ich.
Jetzt sitze ich im Keller und mache einen Holzschnitt für Pastor Luigi Pandoli. Manchmal sehe ich das Totenschiffchen an, das vor mir auf dem Schreibtisch steht. Außer dem Holzschnitt werde ich ihm eine Zeitung schicken, auf die ich ziemlich stolz bin. Wegen der zwei Seiten Reportage über die Insel. In Wirklichkeit ist sie natürlich viel schöner als auf den Fotos. Aber einiges von der Atmosphäre ist spürbar. Auch durch den Text. Peter hat ihn mit mir zusammen gemacht. Jetzt werden viele erfahren, dass es die Insel gibt. In der Zeitung wird sie Insel der Erinnerung genannt.